Erschließungsprojekte im Osten Deutschlands

Kampagnenmaterial: Es geht nicht ohne

Zwickauer starten Öffentlichkeitskampagne

Unsere erste Verabredung müssen wir verschieben. Stefan Fischer, Projektsekretär im sächsischen Zwickau, hat einen Anruf bekommen, der länger dauerte als gedacht.

Erfreulicherweise. »Ein Kollege hier aus der Umgebung erkundigte sich, wie man trotz Gegenwind vom Arbeitgeber einen Betriebsrat gründet und einen Tarifvertrag durchsetzen kann. Er hatte sehr viele brennende Fragen«, berichtet Fischer. Wer es war, was als Nächstes geschieht, sagt er nicht. Vertrauen und Vertraulichkeit sind das Wichtigste, wenn engagierte Metallerinnen und Metaller sich an ihre Gewerkschaft wenden, um die Arbeitsbedingungen im Betrieb zu verbessern, weiß Stefan Fischer.

Eines kann er aber sagen: Der Anrufer war ein typischer Fall. Oft kommen Interessierte ein bis zwei Jahre, nachdem sie den ersten Direktkontakt mit der IG Metall hatten. Andere, die aus einem Betrieb mit Tarifbindung und Betriebsrat in eine Firma »ohne« wechselten, stellen dort nach einigen Monaten fest: Tarifvertrag und Betriebsrat sind wirklich viel wert. Denn die Chance, dass Arbeitgeber von sich aus die Rechte »ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter« achten und deren Interessen beachten, tendiert gegen null.

Weiße Flecken auf der Betriebsratslandkarte entdecken, Demokratie in die Betriebe tragen, Mitsprache von Belegschaften bei ihren Arbeitsbedingungen organisieren, neue Mitglieder gewinnen – das macht Erschließungsarbeit aus und das macht Spaß. Meistens jedenfalls. »Wir probieren hier was Neues aus«, berichtet Stefan Fischer. Zusammen mit Benjamin Zabel, ebenfalls Projektsekretär in Zwickau, hat er einen Werkzeugkasten zusammengestellt.

Material zur Unterstützung nutzen

»Das ist Dein Werkzeug. Pack es an«, heißt die Broschüre, die jetzt unter ehrenamtlichen Funktionärinnen und Funktionären und den Delegierten der südlichsten sächsischen Geschäftsstelle kursiert. Sie unterstützt sie bei der Ansprache von Bekannten, die in Betrieben der Region im Zuständigkeitsbereich der IG Metall arbeiten, aber noch keinerlei Mitbestimmungsstrukturen beziehungsweise keine Tarifbindung haben. »So entstehen neue Netzwerke und neue Kontakte zur IG Metall Zwickau, der Organisation, die hier für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten einsteht und wirkt«, sagt Benjamin Zabel. Besser leben mit der IG Metall – ist das der Plan? »Genau«, bestätigt Florian Hartmann. Er ist der Dritte im Bunde der Projektsekretäre und am längsten im Geschäft. 2017 wurden im Betrieblichen Erschließungsprojekt mehrere neue Betriebsräte gegründet und Tarifbewegungen gestartet. Eine gute Bilanz, auf der sich die Zwickauer natürlich nicht ausruhen wollen. »Wer Probleme mit den Arbeitsbedingungen im Betrieb hat, muss zuerst an die IG Metall denken«, sagt Hartmann.

Erfolge und etwas in den Betrieben erreicht zu haben sind positive Erfahrungen, aber sie gehen allzu oft im Tagesgeschäft unter, weil immer wieder neue Herausforderungen anstehen, so die Erfahrung der drei Erschließer. Besser wäre, gute Beispiele aus der Praxis einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zumachen. Eben das packen sie jetzt an: Im November wollen sie neue Kolleginnen und Kollegen mit kurzen Beiträgen dazu bei Facebook abholen.