Im Gespräch mit Nadine Ofenloch, Erschließungssekretärin

Nadine Ofenloch, Erschließungssekretärin in der Bezirksleitung Mitte

Stark bleiben im Betrieb

Ein eigener Arbeitsschwerpunkt im GEP Mitte ist es, Mitglieder zu halten, zu binden und zurückzuholen. Nadine Ofenloch ist Erschließungssekretärin und unterstützt Geschäftsstellen und Betriebe.

Was können wir uns unter »Halten und Binden« von Mitgliedern genau vorstellen?

Die Gewerkschaft ist dann erfolgreich, wenn wir solidarisch für unsere Interessen eintreten. Ereignisse wie die 24-Stunden-Streiks während der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie binden die Mitglieder an die Organisation. Wenn wir jedoch mit austrittswilligen Kolleginnen und Kollegen sprechen, bekommen wir oft den Vorwurf zu hören: »Ich bin seit 20 Jahren Mitglied der IG Metall und hab’ die ganze Zeit nichts von der Organisation gehört. Jetzt, wo ich austreten möchte,bin ich plötzlich wieder wichtig.« Übersetzt heißt das, dass wir mehr Zeit in die Pflege unserer Mitglieder investieren müssen. Dabei brauchen wir nicht immer eine Tarifrunde, um  unsere Mitglieder an die IG Metall zu binden. Es gibt so viele Themen im Betrieb, die man nutzen kann,um gemeinsam mit der Belegschaft an Verbesserungen zu arbeiten.

Mit dem Gewerkschaftlichen Betriebsplan verschaffen sich Betriebsräte einen genauen Überblick über Mitglieder und das, was sie beschäftigt,und können zielgerichtete Aktionen und Mitgliederansprachen planen und umsetzen. Diese Vorgehensweise bindet die Mitglieder an die IG Metall, denn gemeinsam hat man an diesem Erfolg gearbeitet. Nebenbei stärkt es natürlich auch den Betriebsrat in seiner Position.

Also wenn man es gut macht, kommen wir erst gar nicht in die Situation der Rückholung?

Wir werden nicht verhindern können, dass Mitglieder die IG Metall verlassen möchten. Wenn es tatsächlich zum Austritt kommt, müssen wir mit jedem austrittswilligen Mitglied sprechen.

Wie sieht das gängige Verfahren im Betrieb und in der Geschäftsstelle aus?

Austrittswillige Mitglieder, die nicht mehr im Betrieb sind, wie Rentnerinnen und Rentner oder arbeitslose Kolleginnen und Kollegen werden von der Geschäftsstelle angesprochen. Wenn eine Kollegin oder ein Kollege aus dem Betrieb die IG Metall verlassen möchte, sollten Vertrauensleute, Jugend- und Auszubildendenvertretungen oder Betriebsräte das Gespräch suchen.

Wenn uns eine Kündigung erreicht, ist es wichtig, schnell darauf zu reagieren. Dazu ist es notwendig, Arbeitsprozesse zu haben, sodass alle Beteiligten wissen, was zu tun ist. Ein Gespräch unter vier Augen oder ein Telefonat wirken stärker als ein Brief mit Hochglanzbroschüre. Unser Anspruch ist es, Austrittswillige individuell anzusprechen und ihre Austrittsgründe ernst zu nehmen.

Wo liegen Stolpersteine auf dem Weg zu einem professionellen Rückholmanagement?

Rückholgespräche werden anfangs oft als unangenehm empfunden, denn es geht um Kritik an der Arbeit des Betriebsrats und um Kritik an der IG Metall. Aber hey: Es ist auch eine große Chance, uns als IG Metall kontinuierlich zu verbessern und die Betriebsratsarbeit zu optimieren! Im Übrigen bietet die IG Metall auch Kommunikationstrainings für schwierige Gesprächssituationen an.

Tipp: Setzt das Thema auf die Tagesordnung für die nächste VL-Sitzung. Sprecht Eure Gewerkschaftssekretärin oder Euren Gewerkschaftssekretär vor Ort direkt an.