Kreative Kommunikation bei Welser

Bezirkliches Erschließungsprojekt aus Nordrhein-Westfalen

Auf Riesenpostkarten für die Tarifforderung unterschreiben

Eigentlich müsste sich Betriebsratsvorsitzender Harald Garrot keine Sorgen machen. In einigen Produktionsbereichen bei Welser Profile in Bönen liegt der Organisationsgrad bei nahezu 100 Prozent. Doch die Angestellten trüben seine Bilanz, immerhin machen sie rund ein Viertel der Belegschaft aus. Viele treten aber partout nicht in die Gewerkschaft ein. Besondere Aktionen mussten her, um auch diese Beschäftigtengruppe zu erreichen. »Die meisten Erfolge erzielen wir mit der Eins-zu-eins-Kommunikation. So halten wir auch den Angestelltenbereich auf dem Laufenden und nehmen die Büroetagen ebenfalls in den Fokus«, sagt Garrot. Alle zwei Monate gehen er und seine Kolleginnen und Kollegen mit einer Botschaft durch den Betrieb und führen Gespräche. Aber: Darüber hinaus darf es auch mal eine kreative Aktion sein. So klemmten eines Morgens an den Tastaturen ungewöhnliche Postkarten in den Büros. »Dein Feierabend hat angerufen. Er fängt schon mal ohne Dich an.« Und: Die Postkarte lud ebenfalls zu einer Beschäftigtenbefragung ein.

Methodenvielfalt sorgt für Aufmerksamkeit

Zwischen Kantine und den Büros präsentierten die Gewerkschafter dann das Ergebnis der Beschäftigtenbefragung. »Wir standen dort den ganzen Tag lang für Fragen bereit und haben die Kolleginnen und Kollegen bei Kaffee und Keksen auch in Gespräche geführt«, sagt Vertrauenskörperleiter Siegfried Wendel. Im Vorfeld wurde diese Aktion auch mit Flyern und persönlicher Ansprache beworben. Das Team des gemeinsamen Erschließungsprojekts (GEP) Ruhrgebiet initiierte aber auch Informationsstände mitten in der Produktionshalle zwischen Werkbank und Produktionsanlagen. Das war bisher undenkbar,hatte jedoch durchschlagenden Erfolg: Die gerade wirksam gewordene Tariferhöhung diente dazu als passender Gesprächsaufhänger. Die Beschäftigten diskutierten über das Tarifergebnis oder über ihre Arbeitszeit. Viele möchten lieber Freizeit statt Geld, verzichten auf 27,5 Prozent Tariferhöhung und wählen acht freie Tage. Wichtige Erkenntnisse für das GEP-Team und den Betriebsrat.

Eine Betriebsversammlung bildete auch den Auftakt zu einer besonderen Aktion zur Beteiligung. Auf einer überdimensionalen Postkarte konnten die Kolleginnen und Kollegen für die  Tarifforderungen unterschreiben. Fast die gesamte Belegschaft beteiligte sich. »Ansprache bringt nur etwas, wenn es auch einen Anlass gibt. Mit diesen Karten hatten wir einen ausgefallenen«, sagt Nick Woischneck, Erschließungssekretär des IG Metall-Bezirks Nordrhein-Westfalen. Später übergab der Betriebsrat diese individuelle Postkarte dann an den NRW-Arbeitgeberpräsidenten während der Tarifverhandlungen.

Leiharbeiter stärker im Fokus

Die IG Metall konzentriert sich auch auf jene, die vom Arbeitgeber vergessen werden. »Wir nehmen ebenfalls die Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer in den Blick, denn die meisten kennen ihre Rechte nicht«, sagt GEP-Sekretär Nick Woischneck. Das Unternehmen ließ kürzlich einen Getränkespender aufstellen, allerdings war dieser für Leiharbeiterinnen und -arbeiter nicht nutzbar. Konventionelle Flaschen passen nämlich nicht unter den Ausfüllstutzen. Deshalb organisierte die IG Metall eigene Flaschen. Betriebsrat, Vertrauenskörper und IG Metall bleiben weiterhin nah dran an der Welser Belegschaft. »Wir arbeiten sehr kooperativ und konstruktiv mit dem GEP-Team und den betrieblichen Akteuren zusammen. Das wird auch so bleiben«, sagt der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Unna, Michael Lux. Die Strukturen stimmen bei Welser Profile in Bönen, manchmal fehlt es jedoch an der nötigen »Power« und da kann das GEP-Team gezielt Unterstützung leisten.