Projekte in Nordrhein-Westfalen

Nachhaltig regional wachsen

Das Gemeinsame Erschließungsprojekt (GEP) des IG Metall-Bezirks Nordrhein-Westfalen

Die IG Metall Nordrhein-Westfalen ist mit rund 530.000 Mitgliedern der mitgliederstärkste Bezirk der IG Metall, steht aber vor zwei zentralen Herausforderungen: erstens dem demografischen Wandel, zweitens dem Wandel der Beschäftigtenstruktur. Gewerbliche Arbeitsplätze werden weniger – Arbeitsplätze im Angestelltenbereich werden mehr. Oft ist der gewerbliche Bereich besser gewerkschaftlich organisiert als der Angestelltenbereich. Die Regelungen unserer Tarifverträge gelten aber für alle.

Sinkt der Organisationsgrad, sinkt die Durchsetzungskraft. Um diesem Trend etwas entgegenzusetzen, arbeitet in NRW seit dem 1. September 2016 ein Team von Erschließungssekretärinnen und -sekretären. Ihre Aufgabe ist es, Aktive und Vertrauensleute in den Betrieben bei ihrer Arbeit zu unterstützen und Strukturen zu entwickeln. Sie erproben neue Formen von Beteiligung, verbessern die Kommunikation in die Belegschaften und bearbeiten gezielt Bereiche mit niedrigerem Organisationsgrad.

Wir haben mit Pietro Bazzoli, dem Betriebsratsvorsitzenden der Siemens AG am Standort Mülheim, gesprochen. Bei Siemens in Mülheim findet bereits seit einigen Jahren ein Erschließungsprojekt statt. Pietro ist Mitglied der Tarifkommission und der Verhandlungskommission der IG Metall für die Metall- und Elektroindustrie.

Hallo Pietro, ihr macht schon seit einer Weile gezielte Erschließung im Betrieb. Wer bildet bei euch das Projektteam?

Die IG Metall-Geschäftsstelle Mülheim, das Siemens-Team und unsere IG Metall-Betriebsrätinnen und  Betriebsräte, die Jugend und Auszubildendenvertretung, die Schwerbehindertenvertretung sowie unsere 320 IG Metall-Vertrauensleute. Wir legen sehr viel Wert darauf, nicht in nur in Ausschüssen zu arbeiten, sondern mehr in Projekten unter Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das betrifft dann Themen wie Chancen der jungen Generation, psychische Belastung am Arbeitsplatz oder Zukunft der Arbeit. Selbstverständlich bereiten wir uns gerade auch auf die Tarifrunde vor.

Was macht ihr denn in Vorbereitung auf die Tarifrunde?

Zurzeit bereiten wir inhaltlich die Tarifrunde und das passende Warnstreikkonzept vor. Wir wollen die Beschäftigten in unserem Betrieb beteiligen. Hierzu holen wir uns die Meinungen der Beschäftigten ein, beispielsweise durch Würfelaktionen, Telefonabfragen und natürlich im direkten Gespräch. Zentral ist die Mitgliedergewinnung, denn mit jedem Mitglied steigt unsere Kraft in den Tarifgesprächen mit den Arbeitgebern. Hierbei ist uns das GEP eine große Hilfe.

Was habt ihr bisher mit dem GEP schon gemacht?

Wir haben in all den Jahren folgende Erkenntnis gewonnen: Wenn gute Argumente bei den Arbeitgebern nicht greifen, hilft nur noch Druck. Den können wir nur aufbauen, wenn wir einen hohen Organisationsgrad haben, uns auskennen und auf allen Ebenen mit der IG Metall zusammenarbeiten. Durch die zusätzliche Unterstützung sind wir heute näher an den Beschäftigten, haben unsere Kompetenzen gestärkt, und die IG Metall ist dadurch natürlich auch viel sichtbarer geworden. Die Mitglieder der IG Metall fühlen sich wertgeschätzt und sind untereinander gut vernetzt. Außerdem macht das Ganze eine Menge Spaß!

Die Kompetenz, das alles leisten zu können, haben wir durch Seminare und Workshops mit unserem GEP-Sekretär aufgebaut. Wir sind heute jederzeit aktionsfähig.